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Eine Transsib-Romanze
Dieses verblüffend schöne, lyrische Werk hat seine eigene romantische Geschichte. Es wurde in Wladiwostok geschrieben und hieß ursprünglich "Die Wellen des Amur-Busen". Die Melodie hatte jedoch mit dem Fluss Amur nichts zu tun, vielmehr war da eine große Liebe - Französisch "Amour" – im Spiel.
Man schrieb das Jahr 1909. Der Militärmusiker Max Küss reiste mit dem Zug von St. Petersburg nach Wladiwostok. Die Entfernung war enorm, Züge von damals brauchten fast einen Monat um ans Ziel zu kommen. Eine junge charmante Frau Vera Jakovlevna, die Frau von Oberst Kirillenko, dem unmittelbaren Chef von Küss, reiste frisch verheiratet mit ihrem Mann im gleichen Zug nach Wladiwostok. Max war sofort in sie verliebt. Die Liebe des Musikers Küss hatte jedoch keine Chancen auf Erwiderung. Die charmante griechische Frau und ihr hübscher Ehemann führten eine glückliche Ehe. Tief und hoffnungslos verliebt, schreibt der Komponist sein Meisterwerk. All seine Liebe, Zärtlichkeit, Leidenschaft und auch der Schmerz und die Hoffnungslosigkeit finden sich in dieser Musik wieder.
Das Publikum nahm das neue Werk enthusiastisch auf. Max Küss trat bei einem Benefizabend in der Offiziersversammlung auf und widmete es Vera Jakovlevna mit der Begründung der Dankbarkeit für ihre aktiven philanthropischen Aktivitäten. Der Erfolg war unglaublich. Der Walzer verzauberte buchstäblich die Bewohner von Wladiwostok. Fast jeden Abend hörte man ihn in den Wohnstuben der Stadt, die Noten gingen von Hand zu Hand und zu jeder Parade wurde er aufgeführt.

Vera Jakovlevna schlug später den Namen "Die Wellen des Amur-Busen“ vor, aber in der Druckerei wurde der Name reduziert und es blieb nur bei "Amurs Wellen". Sie hatte jedoch damals nicht erwartet, dass jemand später den Namen mit dem Fluss Amur in Zusammenhang bringen würde.

Dieser Walzer brachte dem Autor eine immense Popularität, machte ihn aber nicht glücklich, im Gegenteil. Die einzige Person, die die allgemeine Freude und Bewunderung nicht teilte, war Oberst Kirilenko selbst. Er hielt eine solche Widmung des Walzers für seine Frau für beleidigend. Er durchschaute die Gefühle des Komponisten.

Deshalb verschwand in den folgenden Notenschriften die Widmung und das Profil von Vera Yakovlevna. Das Leben von Max Küss wurde noch komplizierter. Zunächst wurde er auf die Insel Russkij abkommandiert und nach einiger Zeit wurde er nach Odessa zurückgeschickt. In dieser Schicksalswende ist etwas Mystisches, der Walzer, in dem der Komponist seine Liebe ausdrückte, trennte ihn von seiner Geliebten.

Einige Jahre sind vergangen. 1944 fielen die Noten zufällig in die Hände des Leiters des Gesangs- und Tanzensembles des fernöstlichen Bezirks in Chabarowsk. Dieser kannte nicht die Hintergründe zur Entstehung dieses Walzers. Und wieder zog das Werk jeden in seinen Bann. Der Solist des Ensembles schrieb einen Text zum Walzer und somit erhielt dieser ein neues Leben. Die Melodie wurde zu einer inoffiziellen Hymne des Fernen Ostens.

Während des Fluges von Juri Gagarin im All übertrug der Radiosender in Chabarowsk die Rufzeichen vor dem Hintergrund des berühmten Walzers. Dank dieser Tatsache wurden die Amur-Wellen zum ersten musikalischen Werk, welches im Weltall erklang. Im Zug „Ozean“ Wladiwostok-Chabarowsk, erklingen jeweils zur Abfahrt die Töne dieser schönen Melodie, denn er verbindet gewissermaßen symbolisch die Melodie aus Wladiwostok mit dem Text aus Chabarowsk.