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Gurjewsk-Neuhausen
Nach dem Lindenpflanzenvorgang in Tharau wo erfahren wurde, dass unbedingt die alte Schule in Waldwinkel besucht werden muss, weil dort eine kleine Ecke im Museum 'Änchen von Tharau' gewidet ist, wird schnell entschieden, gleich am nächsten Tag dorthin zu fahren.

Die Planung wird so, dass man die Hauptstraße von Kaliningrad nach Polessk nimmt. Auf dem Weg ist Gurjewsk, zwar sehr nah an Kaliningrad gelegen, aber bis jetzt keine Möglichkeit gehabt 'Neuhausen-Gurjewsk' zu besuchen. Dort befinden sich ein Schloss und eine Kirche, die laut Infos im Internet sehenswert sind.

Leider, so wie gestern in Tharau, kann die Frau nicht mitkommen, weil sie voller Vorbereitungen für den anstehenden Besuch aus Omsk in Sibirien ist.

Mein treuer Begleiter ist unser 'Opel aus Sibirien'.

Samstag (gestern) und Sonntag heute sind gute Tage um schnell über die Ringstraße um Kaliningrad zur Zielstraße zu kommen. Sonst ist alles furchtbar verstopft, weil überall emsig für WM 2017 gebaut werden.

Bild: Kirche in Neuhausen, die wirklich interessant ist.

Schloss in Neuhausen: viel erwartet
Neben der Kirche liegt auch das Schloss, welches wirklich herunterwirtschaftet wurde.

Bild: so sieht das Schloss von der Straße aus.

Schloss in Neuhausen-die harte Realität
Zwar steht im Hof ein schönes Schild mit einer interessanten Beschreibung des Schlosses...Aber: da sitzt irgendeine Firma oder mehrere im Schloss und alles wird von Wachhunden überwacht, die sofort rausspringen und bellen. Na ja, nicht gerade einladend für spärliche Touristen hier.

Zu der Stadt selbst: Gurjewsk-Neuhausen zählt zum Stadtgebiet von Kaliningrad. In der Stadt wird viel gebaut. Alles ist ziemlich chaotisch und unübersichtlich- schnell weiter! Unser eigentliches Ziel liegt ganz woanders- im geheimnisvollen Norden, wo die Natur und nicht mehr der Mensch das Sagen hat.

Eine wunderbare Kirche in Groß-Legitten
Die Straße nach Polessk-Labiau ist etwas buckelig-für sibirische Verhältnisse übrigens ganz normal. Links ist eine Eisenbahnlinie, rechts-meist gepflegte Felder mit frischem Grün. Wir sind in der Kornkammer des Gebiets. Hier wachsen die besten Kartoffeln, die am Straßenrand auf Schritt und Tritt angeboten werden.

Langsam steigen die Erwartungen- zum ersten Mal fahren wir in den Norden und gleich in die Elchniederung. Darüber hinaus steht auf dem Plan der Besuch der Dorfschule in Waldwinkel und der Gegend um Gilge.

Erst kurz vor Polessk kommt das vertraute Bild: von ganz weit ist ein Kirchturm ersichtlich. Das soll wieder eine interessante Kirche sein! Etwas schade, dass die Dachbedeckung aus Blech ist. Blech ist etwas vergänglich. Aber dazu gab es bestimmt Gründe, evt. nicht genug Geld usw.

Die Hilfen aus Rheinland
Die Kirche liegt fast am Straßenrand. Auf dem Gelände entdecken wir Autotouristen aus Moskau, die "die alten Kirchen sehr toll finden und sehr dankbar sind, dass immer mehr von denen in den guten Zustand gebracht werden! Denn wo sonst in Russland kann man sowas sehen...". Diese Meinung wird auch von uns vertreten.

An der Kirchwand ist eine Tafel. Diese Info würde unseren lieben Ferdi Berger sehr erfreuen. Die Spenden und Hilfen für die Instandsetzung dieser wunderbaren Kirche in Turgenewo kommen aus seinem Bundesland.

Eine wunderbare kleine Wiese mit Blumen
Die kleine Wiese befindet sich gleich neben der Kirche.

In der Nähe der Kirche sind zwei Autos aus Deutschland geparkt.

Diese Route scheint für deutsche Touristen interessant zu sein. Später sind uns noch einige Autos aus Deutschland begegnet. Zu der Jahreszeit ist sowas etwas ungewöhnlich hier.

Noch ein Element
Diese Figur ist an der Seite der Kirche. Sie ist ohne Kopf. Dies wird so erklärt, dass der Ritter von der Gegend so fasziniert wurde, dass er eigenen Kopf verloren hatte. "Ob dat alles so richtig ist..."- wie mein Freund aus Ratingen und ehemaliger Ostpreuße Wolfgang zu sagen pflegt.

Ankunft in Polessk-Labiau
Laut meinen vorherigen Lektüren war Labiau im Krieg nicht sehr stark zerstört. Wo sind aber die alten Bauten? Wieder ein Rätsel

Auf dem Zentralplatz steht ein obligatorisches Lenin-Denkmal. Lenin ist aber hier etwas ungewöhnlich dargestellt- als wäre er Fischer, der gerne gleich angeln gehen würde. Verblüffend, nicht wahr. Sind in Karelien die meisten Lenins in Pelzmützen dargestellt-klimabedingt- so hat sich Wladimir Iliitsch in Polessk den einheimischen Fischern sehr gut angepasst. Ein Mann vom Volk sozusagen...

Er schaut auch in die richtige Richtung- zum Haff und nach Gilge-wo die meisten Fischer dieser männlichen Leidenschaft nachgehen.

Schloss in Labiau 1
Gleich gegenüber dem Zentralplatz befindet sich das Schloss von Labiau. Was auch dieses neue Schild stolz verkündet.

Schloss in Labiau 2
Wieder ein etwas trauriges Bild: von einigen Büros besetzt und nicht sehr gut gepflegt. Aber wie überall hierzulande: trotz dieser Misere sind einige Enthusiasten ohne Geld aber mit viel Elan in diesem Schloss auch etabliert : ein kleines Heimatmuseum und sogar eine interessante Puppenpräsentation.

Leider keine Zeit heute um Besuch abzustatten. Vielleicht nächstes Mal.

Wieder eine bessere Straße
Gleich nach Polessk wird die Straße Richtung Sowetsk-Tilsit besser. Die Zivilisation hört langsam auf, die Natur übernimmt das Kommando. Ab und zu sieht man kleine Ansammlungen von Häusern.

Hier wird ein Halt gemacht, um ein Gut zu fotografieren. Der Ort heißt übrigens heute Scholochowo. Dieser Schriftsteller war sehr berühmt in der Sowjetunion. Vorher war Turgenewo- unter den Zaren ein sehr berühmter Schriftsteller-- eine wahre "literarische Straße", die zum Norden führt. Vielleicht nicht von ungefähr hatte man in den alten Zeiten eine Künstler-Kolonie in Gilge... Aber manchmal fragt man sich doch, welche Kriterien hatte man bei der Umbenennung der Ortschaften genutzt?

Eine kleine Verwirrung
Neben den Autokarten mit falschen Auskünften gibt es hier auch das Problem mit fehlenden Straßenschildern.

Dieses Schild wurde überfahren. Allerdings steht da drauf nichts von unserem Ziel in Iliitschewo- Waldwinkel. Jetzt muss rechts abgebogen werden. Bei uns muss man lieber mehr fragen, um ans Ziel zu kommen.

Die Einheimischen sind aber stetig sehr hilfsbereit und zeigen gerne den Weg.

Die Umgebung von Waldwinkel und eine weidende Kuh
Das Projekt Waldwinkel ist eine wunderschöne Geschichte, die zweifellos eine eigene Rubrik verdient. Was wir auch gerne tun. Wir werden auch dieses Projekt mit unseren Deutschkenntnissen und Erfahrungen unterstützen.

Wieder keine Spur von Gilge-Matrosowo
Nach einem interessanten Besuch in Waldwinkel, von dem wir in einer separaten Rubrik berichten werden, wird wieder falsch gefahren. Zwar ist auf der neuen Karte eine Kanal-Brücke da. In Realität ist aber keine vorhanden. Die Fischer aus Kaliningrad, die am Ufer sitzen, wissen auch nicht, wo diese Brücke dahingeschmolzen ist, meinen aber, dass man einen beachtlichen Bogen machen muss, um auf die Straße nach Gilge zu gelangen.

O.k.In Ruhe zurück nach Polessk. Dort die gleiche Geschichte: kein Schild mit Martsowo-Gilge obwohl der Ort Endpunkt der Straße ist.

Weil die Schilder nichts verraten, müssen die Einheimischen wieder einsprigen.

Hier in der Gegend lebt man schon beschaulich und ohne Stress. Auffallend viele Fischer, weil heute Sonntag ist.

Die Fischer
Ein reger Verkehr auf dem Deima Fluss ( die Deime in den alten Zeiten).

Ein sehr guter Fang
Ein kleines Schiffchen zieht vorbei. Leider konnte ich den Fischfang nicht fotografieren- zu schnell sind die vorbeigezogen-war aber beachtlich.

Hier wird es ganz deutlich: man lebt hier wie in Sibirien von dem, was die Natur bietet: vom Wald und vom Wasser.

Es sind nur 21 km bis Matrosowo- Gilge geblieben
Die richtige Orientierung doch gefunden, trotz hiesiger Beschaulichkeit auf die Uhr schauend:eigentlich eine sehr kurze Strecke bis nach Gilge! Noch genug Zeit, um alles in die Wege zu leiten. Wieder ein kleiner Irrtum, wie sich das Ganze später herausstellte, weil die klägliche Entfernung etwas mühsam zu bewältigen war.

Wir werden auf der Rückfahrt die meisten Schwierigkeiten dokumentieren. Zuerst mal das Matrosendorf!

Der Sinn meiner Reise war teilweise dadurch bedingt,weil ich im Internet gelesen habe, dass das Hotel 'Gilge' zu verkaufen war. Nicht, dass ich es kaufen wollte- schon in Sibirien habe ich viel über die Inhaberin, Frau Ehrlich und Familie, gelesen. Und ich fand immer faszinierend, was sie alles geleistet haben.

Nun endlich ist soweit: nach dem kleinen Matrosendorf kommt das große Matrosendorf. Und noch vor dem Sonnenuntergang.

Hier ist der Ortseingang Gilge proper.

Wieder sind die Einheimischen hilfsbereit
Wieder is nichts ausgeschildert, dass die entzückenden Einheimischen kontaktiert werden müssen.

Wir werden bis zum einarmigen 'Fischer' geleitet. Dort sollen wir bitte weiterfragen.

Wo ist hier bitte die Altstadt
Das war (ist?) früher das Zentrum des öffentlichen Lebens des Dorfes. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR ist hier auch viel kaputtgegangen.

Im Winter habe ich im Kaliningrader Fernsehen einen Bericht gesehen, wie die Kinder von dem rechten Ufer in die Schule auf dem linken Ufer über die dünne Eisschicht auf dem Fluss Gilge gehen müssen. Wenn es eisfrei ist, klar- da setzen die Eltern in den Motorbooten die über, im Winter ist es aber nicht mehr so einfach und vor allem lebensgefährlich.

Auf mindestens zwei Häusern stehen Schilder 'zu verkaufen'. Die sind auch nicht mehr bewohnt. Das linke Ufer wirkt mehr lebhaft.

Auf dem Bild ist der Abschnitt auf dem rechten Ufer von Gilge gegenüber 'dem einarmigen Fischer'.

Rechts ist Pansionat Elena Ehrlich
Die Altstadt, was für mich die Pension Elena Ehrlich bedeutet, ist wieder nicht leicht auszumachen. Etwas heruntergekommener Mann zeigt gerne den Weg zur Pension. Von ihm erfahre ich auch, dass "Frau Ehrlich" momentan nicht da ist. Aha, dass ist der Grund, warum ich telefonisch keinen erreichen konnte.

Das Hotel 'Elena Ehrlich' wird nicht verkauft, da soll ich bitte zum anderen Hotel fahren.

Traumhafte Blicke
Von diesem Hotel sind auch die malerischen Häuser auf der anderen Seite sehr nah.

Ein schönes Haus
Dieses Haus auf der anderen Seite ist bewohnt und gut gerichtet.

Das Hotel "for sale"
Dieses Hotel 'Gilge' ist dann zum Verkauf angeboten. Alles verschlossen, keiner da.

Auf der Webseite des Hotels sind alle Infos vorhanden. Vielleicht treffe ich Elena in Kaliningrad während der Reisemesse am 13-15 April.

Hier ist ein modernes Hotel entstanden
Gleich gegenüber steht ein nagelneues Hotel. Konkurenz? Schade nur, dass alles umgezäumt wird. Da fühlt sich der Gast evt. etwas sicherer aber das sieht nicht so schön von außen aus.

Zeit Ade zu sagen
Nun wird langsam Zeit die heimatlichen Weiten anzusteuern- noch ein Blick auf den interessanten Nebenarm vom Fluss Neman ( Memel)- Gilge, ohne menschliche Bebauung.

Die richtige Wildnis, sibirische fast, und nur ein Katzensprung von Kaliningrad und Zivilisation entfernt.




Eine holprige Piste
Und nun die vorher versprochene Dokumentation über den nicht ganz einfachen Weg bis und von Gilge.

Zurück geht es dann für eine kurze Strecke - ca. 1 km- auf einer sehr holprigen Piste.

Wundervolle Landschaften
Man wird aber stetig unterwegs mit wundervollen Moorlandschaften belohnt- Elchniederung eben.

Die Straße wird wieder besser
War es beim Anfang der Reise etwas wolkig, wird gegen Abend das Wetter wesentlich besser.

Die Straße bis zu der Ponton- Brücke besteht aus diesen festen Betonplatten ( Bild).


Die Ponton-Brücke
Zwar steht es auf dem Schild, dass pro PKW eine Gebühr von 50 Rubel zu bezahlen ist, alle fahren durch, ohne etwas zu zahlen.

Wenn in Rome, do as the Romans do.

Man ist hier etwas vergesslich: mal ohne Schilder, mal mit überflüssigen Schildern, die nicht mehr gültig sind.

Vielleicht haben die vergessen, das Schild abzumontieren. Die Einheimischen wissen sowieso alles ohne Schilder, und wer nicht einheimisch ist, soll die Einheimischen fragen. So einfach ist das Ganze.

Wiedermal ganz wunderbare Landschaften
Um die Pontonbrücke sind solche interessante Landschaften.

Im Schilf sitzt ein einsamer Fischer in seinem Boot. Was denkt er, wovon träumt er? In dieser Gegend kann es nur etwas ganz Romantisches sein, wie sonst?

Der Sonnenuntergang am Haff
Abendliche Stimmung am Haff.

Ade Matrosowo
Zu den Sowjetzeiten war dies eine mächtige Fischkolchose.

Die alten Zeiten, die Sowjetzeit, die neuen Zeiten. Diese Gegend hat viel gesehen und erlebt.

Die Fahrweise von diesen 21 km
Hier sieht man ganz deutlich- auf dem Schild rechts ersichtlich- wie man fahren muss: aus Polessk kommend hat man Vorfahrt ( Kanal rechts). Der Gegenverkehr soll dann auf die Sandtaschen ausweichen. Mal hinter der Brücke kurz vor Polessk wird umgekehrt gemacht.

Manchmal steht ein Haus so dicht an der Straße, dass man meint, dass aus Versehen in die Eingangstür reingefahren wird!

Harry Potter Bäume
Auf dem Weg zum Damm sind diese mit seltenem Moos bewachsene Bäume zu bewundern.

Die Haff-Weiten
Hier ist das Haff ganz anders wie auf der Kurischen Nehrung.

Ein einsamer Baum am Haff
Und zum Schluss: der Ausflug ( die Haff Safari) hat sich vollkommen gelohnt. Es war wie in Sibirien gewesen zu sein- menschenleer, tier-und fischreich, mit großartiger Natur und mit dem Hauch längst vergessener Zeiten und Kulturen dazu-kurz, Sibirien mal anders.


Bild:Blick von dem Damm.